Vorgeschichte

Hier beginnt unsere Reise durch die Vergangenheit. 

Der erste Zerbster Stadtherr Richard von Zerbst errichtete möglicherweise schon vor 1200 auf seinem Eigenbesitz im Ankuhn ein Armenhospital. Er folgte damit einer Zeitströmung, Das Gebiet des Ankuhn war damals ein schon relativ geschlossenes Siedlungsgebiet vor den Toren der Stadt

Diese Gründung wurde im Jahre 1213 durch Bischof Balduin von Brandenburg mit Zustimmung der Brüder des Richards von Zerbst, dem Heinrich von Plaue und  Gumpert von Wiesenburg sowie im Beisein der drei Zerbster Pfarrer Balduin, Daniel und Vollrad bestätigt.

Richard von Zerbst hatte das Hospital ausreichend ausgestattet. Reinhold Specht benennt in seiner "Geschichte der Stadt Zerbst" die Ausstattung mit "24 Morgen Wiese dicht bei dem Hofe des Hospitals, 1 1/2 Hufe Ackerland, 3 Gärten mit (Obst- ?) Bäumen bei Ankuhn, Getreidegefälle und 2 fette Schweine aus der nahe bei dem Hospital gelegenen Mühle (Ankuhnsche Mühle), den Teich bei dieser Mühle mit der Fisch- und Grasnutzung, ferner Getreidefälle aus den Dörfern Hohen- und Niederlepte und aus Stackelitz (alle Orte heute noch existent) sowie das Weiderecht in der sogenannten "Muchel". Dem Hospital stand ein Provisor vor.

Trotz der guten Ausstattung stand das Hospital bald wieder vor dem Ende.

Die edle Frau Ida, Witwe des Richard von Zerbst wandelte das Hospital zu unbekannter Zeit in ein Nonnenkloster um. Derselbe Bischof Balduin von Brandenburg bestätigte diese Umwandlung am 09.Juni 1214. Seitdem gilt dieses Datum als Gründungstag des Klosters.

Wahrscheinlich wurde das Kloster als Versorgungsstätte für die Witwe selbst und die weiblichen Nachkommen derer von Zerbst gegründet.

Die Ankuhner Marienkirche wurde Klosterkirche

 

Ankuhnsche Marienkirche heute

Heute ist die ehemalige Ruine der Ankuhnschen Marienkirche liebevoll saniert, wie Sie sich anhand der Fotos überzeugen können. Sie ist dank des großen freien Platzes gut sichtbar. Das Hallenschiff ist offen. Ein Teil der Kirche ist überdacht und bildet so einen geschlossenen Raum. Insgesamt lädt das Ensemble sehr zu einem Spaziergang dorthin ein. Vielleicht haben Sie Glück und können sogar an einer der Veranstaltungen teilnehmen. Ich versuche, sie auf meiner Seite mit entsprechenden Links zu informieren

Entwicklung des Klosters

Über die Frühzeit des Klosters kann kein klarer Einblick in das Wirtschaftsleben gegeben werden.

Jedoch entwickelte sich das Vermögen beständig weiter. Schenkungen und Übereignungen von Geld, Zinsanteilen, Grundbesitz und Nutzungsrechten, ja oft auch ganze Dörfer ließen das Kloster so reich werden, dass es selbst seinen Besitz durch Zukäufe vermehrte.

Im Bild links sehen Sie das Gebäude der um 1355 erbauten Frauenmühle, die sie noch zu besonderen Anlässen besichtigen können.

Umzug des Klosters in die Stadt

Irgendwann zum Ende des 13. Jahrhunderts ließen die Nonnen ein neues Kloster am Ostende der alten Breite-Siedlung errichten. Am 28. Juni 1298 befreite der Zerbster Bürgermeister und der Zerbster Rat das Kloster von den städtischen Abgaben. Dies gilt seitdem als Gründungsdatum. Wenig vor diesem Datum mag der Umzug erfolgt sein.

Wahrscheinlich suchten die Nonnen hinter den neu entstandenen Stadtmauern mehr Sicherheit als draußen im Ankuhn. In deutschen Landen machten die Raubritter mit allerhand Fehden das Leben schwer.

Die Nonnen wohnten am neuen Ort um die 250 Jahre. Das alte, am Ende der Breite befindliche Stadttor wurde in Frauentor umgetauft und der Platz vor diesem Tore heißt noch heute Frauentorplatz.

Die Bilder rechts zeigen das Frauentor vom Stadtinneren (oben) und von außerhalb (unten) um 1750 

Klosterhof

Zur neuen Klosterkirche St. Marien wurde vom Bischof eine eigene Parochie errichtet. Diese umfasste das Gebiet der nördlichen Breite von der Mühlenbrücke bis zum Breiten-Tor einschließlich der Frauenmühle und auf der südlichen Straßenseite das Gebiet des heutigen Kleinen und Großen Klosterhofes mit dem Kloster selbst, der Kirche und dem Wirtschaftshof. Namentlich werden auch 9 "nach der Bartholomäikirche hin liegende Hofstellen" genannt.

Vielleicht ist damit das Kleinste Haus von Zerbst auch eines der ältesten. Leider kann dafür kein Beweis angetreten werden. Verbaute Ziegel im Klosterformat können auch aus Abbruchmaterial untergegangener Gebäude stammen. Allerdings ist der Zusammenhang von verbauten Feldsteinen im Bereich der "schwarzen Küche", dem riesigen Schornstein im Kleinen Haus und die reichliche Verwendung der großen Ziegelsteine schon bemerkenswert. Auch heben die Bauingeneure Gebhardt und Gebhardt in Ihrem Sanierungsvorschlag hervor, dass das Gebäude Großer Klosterhof 8 eines der markantesten des gesamten Klosterhofes ist: Einmal durch seine geringe Größe von ca 5,60 m Giebelbreite mal 6,0 m Länge und die nur 2,10 m betragene Traufhöhe. Außerdem ist es das einzige giebelständige Gebäude in diesem Bereich.

Im Bild links das Frauentor, wie es sich von ca 1990-2022 präsentierte- grau, verschmutzt und mit abbröckelndem Putz (Zufahrt in das Stadtinnere).

In  der Galerie unten verschiedene Zugänge zum Gebiet der  früheren Parochie und zu den Klosterhöfen

 

 

 

Blütezeit

Im Jahre 1309 wurde die Ankuhner Marienkirche der Marienkirche des Nonnenklosters in der Stadt unterstellt. Die alte Mutterkirche wurde Filialkirche.

Die Bedeutung des Klosters für die Stadt stieg beständig an, unterhielt es doch in seiner weltlichen Umgebung umfangreiche Wirtschaftsbeziehungen. Heute würden wir sagen: Das Kloster entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen Schwergewicht der Stadt und des Fürstentums.

Zum Ordensverband der Benediktinierinnen  unterhielten die Zerbster Nonnen aber wohl nur die minimal notwendigen Beziehungen.

Viele Zerbster Bürgernamen tauchen im Verzeichnis der Nonnen und Laienschwestern seit der erstmaligen Erwähnung im Jahre 1315 auf.

Im Bild rechts der Frauentorplatz nach der Sanierung  und der Schaffung moderner Schulräume im neueren Kasernenflügel für die Sekundarschule der Stadt (Übergabe Nov. 2023).

Bis etwa zur Mitte des 14. Jahrhundert scheinen im Kloster adlige und bürgerliche  Namen gleich stark vertreten.  Seitdem überwiegt das Bürgertum.

Oft kamen die Nonnen aus wohlhabenden, zumindest gut situierten Familien und wurden von Ihren Familien bei Eintritt in das Kloster gut ausgestattet. Oft verfügten Sie im Kloster weiterhin über Privateigentum. Nach ihrem Tode fiel dieses Eigentum zum Teil an die Verwandten, aber auch zum Teil an das Kloster und mehrte dessen Vermögen durch diese Zugänge.

Das Vermögen wurde aber auch durch Schenkungen, Abgaben, Zinsen, An- und Verkäufe ... Es entwickelte sich zum reichsten der drei Zerbster Klöster.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gehörten dem Kloster 5 Volldörfer und 5 wüste Dorfmarken im Kreis Zerbst, dazu die Holzmark Herzwinkel, ferner zahlreiche  Eigenbesitze  in der Stadt und den Dörfern des Kreises Zerbst, im Ankuhn, den Kreisen Köthen, Dessau, weiteren Städten des Erzstiftes Magdeburg, im Kreise Jerichow und im Brandenburgischen.

Der Eigenbesitz bestand aus Acker und Wald, Gärten und Wiesen, Mühlen und Häuser, aber auch Pachten , Zinsen, Renten, Zehnten, Dreißigsten, Legaten, Auflassungen und Kapitalien.

Ein großer Teil wurde selbst bewirtschaftet.

1496 wurde der Viehbestand mit 60 Rindern, 100 Schweinen und 620 Schafen angegeben.

1507 ist das zum Kloster gehörende Gesinde, die "familia" mit fast 50 Personenangegeben. Darunter sind Hofmeister, Schreiber, Bäcker, Schreiner, Schirrmeister, Hirten für Pferde, Kühe, Schafe und Schweine, Futterschneider, Ackerknechte, Förster, Viehmägde.

Für die Eigenversorgung unterhielt das Kloster auf seinem (Kloster-) Hof eine Brauerei, Küchen, Molkenhaus, Ställe, Scheunen, Schäferei, Backhaus, Bierkammer und Badehaus. Gemüse wurde meist angekauft. Ob und gegebenenfalls wie unser heutiges Gästehaus damals genutzt wurde, bleibt im Nebel der Geschichte.

Dem Kloster gehörten zeitweise 3 bis 4 Mühlen in der Stadt und mehrere in anderen Dörfern.

Es erforderte eine gehörige Portion Geschäftstüchtigkeit des Probstes, dieses Vermögen zu verwalten und zu mehren. So waren die Zerbster Pröbste nicht immer für das Kloster zugleich Priester und Seelsorger, sondern öfter bloße Verwaltungsbeamte bzw. bezahlte Manager,

1507 sollen insgesamt 50 Jungfrauen (Nonnen und Laienschwestern) mit "Speise und Notdurft" zu versorgen gewesen sein. 1538 waren noch 24 Nonnen im Kloster.

Mit dem Kloster war die einzige Mädchenschule der Stadt verbunden (1371 erwähnt). Nachgewiesen ist, dass bereits 1326 Mädchen zur Erziehung im Kloster aufgenommen wurden. Um 1400 ist ein Schulraum im Gebäude der Probstei nachgewiesen.

Fotogalerie zu den Resten der alten Klostergemäuer

Wie wir im nächsten Textabschnitt zur Geschichte fortfahren , geht das Kloster zur Reformationszeit unter. Wir sehen heute nur noch Reste der Klosteranlagen

Reformation und Niedergang des Klosters

Seit Mitte des 15. Jahrhunderts bahnte sich eine schlechte Stimmung gegen die Kirche und die Klöster an.                                                                         Das Streben nach immer mehr Besitz, Bestechlichkeit, ungerechte Verteilung der Einkünfte und Verfall der Sitten in den Klöstern selbst trugen dazu bei. Das Zerbster Fembuch von 1490 berichtet von einer Nonne. Sie habe einer Frau aus dem Volke unzüchtige Dinge beigebracht. An diese Zeit des Nachlassens der Frömmigkeit und der Zunahme der Lasterhaftigkeit wahrscheinlich auch im Frauenkloster soll unsere Hausfahne erinnern, die den mittelalterlichen Zunftzeichen nachempfunden und als Nasenschild ausgebildet ist. Von vorn sehen Sie eine betende Schwester, Auf der anderen Seite der Tafel jedoch bietet sich ein völlig anderes Bild. Das schauen Sie sich dann am besten im Original an.

In den Bildern links zunächst der Entwurf zur Vorderseite der Hausfahne, Nach dieser Vorlage fertigte die örtliche Traditionsfirma Partheil mit Sitz gleich nebenan auf der Zerbster Breite in ausgezeichneter kunsthandwerklicher Qualität das Hauszeichen und auch die Aufhängung. Auch nach mehr als 15 Jahren der Nutzung und des ungehinderten Einwirkens der Witterung wirkt es wie neu angebracht. (unteres Bild)

Trotz vieler Versuche der Besserung verschlimmerte sich das Ansehen der Klöster weiter. Es mehrten sich feindselige Aktionen gegen die Klöster.

Zu dieser Zeit muss wohl auch die Legende entstanden sein, dass ein unterirdischer Gang von den Baulichkeiten des Frauenklosters aus (Breite 86) ins ferne Franziskanerkloster auf dem Weinberg verlief. Über diesen Gang sollen sich Nonnen und  Mönche zu vergnüglichem Stelldichein getroffen haben. 1872 ließ ein gewisser August Kühne die erzählten Geschichten seiner Großmutter aufzeichnen und drucken. So fand das oben genannte Gerücht  Eingang in die Literatur und ist bis heute erhalten. Der alte Gebäudekomplex Breite 86 ist 1542 fast vollständig abgebrannt und wurde  spätestens 1897 mit der Erweiterung der Kaserne völlig umgestaltet. Heute ist dieses Gebäude Außenstelle der Sekundarschule und trägt weiterhin die Hausnummer 86. Dazu aber noch einmal später. Ein unterirdischer Gang wurde nie gefunden.

Nach dem Thesenanschlag Martin Luthers am 31. Oktober 1517 in Wittenberg wurden in Zerbst Anfang Mai 1522 die Heiligenbilder vor dem Frauentor und im Ankuhn gestürmt. Am 18. Mai 1522 predigte Luther erstmalig in Zerbst.

Mitte März 1523 begann die Stadt Zerbst eine Inventarisation des Nonnenklosters (Erfassung der Vermögenswerte). Das Klostergut sollte eingezogen werden.

Luther selbst riet zur Aufteilung zwischen Rat und Fürsten, Schulen von diesem Vermögen zu errichten, aber auch den Nonnen einen Teil der Einkünfte zum Lebensunterhalt zu belassen. Es gab eine recht enge Beziehung zwischen Martin Luther und der Stadt Zerbst. Luther weilte öfter hier und wurde unter anderem auch mit dem Zerbster Bitterbier für seine Auftritte oder seine Ratschläge bezahlt.

Am 6. Juni 1525 ging der Rat zur totalen Ausschaltung des Nonnenklosters über. Zwangsweise wurden die Nonnen auf dem Klosterhof versammelt. Ein evangelischer Geistlicher predigte den katholischen Nonnen. Dann wurde ihnen vom Bürgermeister persönlich jegliche katholische gottesdienstliche Handlung verboten und mitgeteilt, dass die eingezogenen Kleinodien (Wertgegenstände) des Klosters nicht zurückgegeben werden.

Das Bild rechts zeigt die Erinnerungstafel an das Kloster St. Marien stadtauswärts rechts am Frauentor.

Im Bild links ein Ausschnitt des Gemäldes von Max Korn zur 900-Jahrfeier von Zerbst (1907). Es zeigt den  Empfang Luthers durch den Rat der Stadt Zerbst im Jahre 1522, als dieser erstmals in Zerbst predigte.

Am 3. Oktober 1525 wiederholte der Rat der Stadt eine solche Aktion der Versammlung der Nonnen. Mitgebrachte Fremde ließ der Rat evangelisch predigen: Seid fruchtbar und mehret Euch. Wer Jungfrauenschaft behalten will, mag es tun, aber wer das nicht will, mag sich verehelichen.

Etliche Nonnen verblieben im Kloster, bis es 1542 fast vollständig abbrannte. Zuletzt lebten 12 alte Nonnen im Kloster. Verletzt wurde beim Brand keine.

Auch Teile des Wirtschaftshofes fielen den Flammen zum Opfer. Das Schlafhaus der Nonnen übersteht den Brand und wird Kornspeicher.

 

Baustelle und Gründung der Klosterhofgemeinde

Um das große Gelände nach dem Brand nicht brach liegen zu lassen, schrieb der Fürst im Jahre 1546 für seine Untertanen 16 Baustellen auf dem Klosterhofe aus.

Die Baustellen waren  schnell vergeben. Die Zerbster aber spekulierten lieber mit den Grundstücken, als zu bauen.                         So wurde die Vergabe ein Jahr später wiederholt. Jeder Ansiedler erhielt Grund und Boden und Bauholz umsonst. Dazu wurde er 3 Jahre lang von allen Abgaben und Diensten befreit. Danach (Ab 1550) wären dem Fürsten der Frondienst, der Stadt die Bürgerdienste und der Kirche St. Bartholomäi der Schoß zu leisten. Die Klosterhofgemeinde mit eigenem Richter entstand am 20. Mai 1550. Sie gehörte zur fürstlichen Freiheit und wurde erst 1849 in die Stadt eingemeindet. Die Hausstellen waren dann auf 60 angewachsen. Die Bewohner des Klosterhofes entzogen sich später gern weiter den Diensten und Abgaben.

 

Winter 2025 zu 26: Blick von oben auf  den Großen Klosterhof kurz nach  Abriss der letzten beiden Häuser der früheren zentralen Bebauung. Zu sehen ist im Zentrum nun ein großer zum Zeitpunkt der Aufnahme schneebedeckter freier Platz.

Eines der letzten Beispiele der früheren Bebauung mit kleinen und kleinsten Häusern, die dicht aneinandergeschmiegt gebaut wurden

1572 wohnten im Klosterhof 12 Ansiedler. Ihre Anwesen stellten kleine und kleinste Wohnstätten dar, die jeglichen Stils entbehrten und eher Hütten ähnelten. Der Klosterhof entwickelte sich zu einem Viertel der gering bemittelten aber fleißigen Bevölkerung. Viele Berufe waren vertreten.

1595 wurde ein neuer Friedhof vor dem Frauentor eröffnet. Bis zu diesem Zeitpunkt und auch noch später wurden die Toten der Bartholomäigemeinde auf dem Klosterhof begraben.

Bis in die jüngste Zeit stieß man insbesondere bei Arbeiten am tief liegenden Abwassersystem immer wieder auf einzelne Skeletteile, auf einzelne Schädel oder aber auch auf ganze Skelette aus der damaligen Zeit.

 

Bilder vom Frauentorfriedhof mit zahlreichen alten Grabmalen und Skulpturen

Nach dem Betreten des historischen Friedhofes durch das Hauptportal erwarten Sie zahlreiche Zeugnisse alter Grabkultur

Entwicklung bis zum 30- jährigen Krieg

Das vom Brand verschonte Schlafhaus der Nonnen diente lange Zeit als Kornspeicher. Genannt wird in einer alten Chronik das Jahr 1607 und darüber hinaus.

Bald folgte der 30-jährige Krieg mit verheerenden Folgen für die Stadt Zerbst und alle in Ihr lebenden Menschen.     

Bereits in der ersten Phase des Krieges zogen im April 1622 vom Kaiser angeworbene holsteinische Reiter auf Ihrem Weg nach Böhmen durch Zerbst.

Mit den Ereignissen im Niedersächsisch- Dänischen Krieg (zweite Phase des dreißigjährigen Krieges 1623 - 1629) trafen Kontributionen, Plünderungen, Seuchen und Hunger die Stadt mit voller Wucht. Es begann Anfang 2026 mit der Besetzung der Elbebrücke  bei Roßlau durch die Truppen des kaiserlichen Heerführers Wallenstein. Diese forderten die Stadt Zerbst auf, die Schanzarbeiten zur Befestigung des Elbüberganges zu unterstützen.  Dann am 17. März 1626, als eine kleinere Einheit des protestantischen Heerführers Ernst Graf von Mansfeld  im Morgengrauen die marode Stadtmauer am Gymnasium des ebenfalls protestantischen Zerbst ohne Gegenwehr überstiegen, ein Stadttor (Heidetor) öffneten und größere Truppenteile sich in der Stadt verteilten, begannen die militärischen Besetzungen der Stadt Die Zerbster hatten vorher mehrere Tage den offiziellen Zutritt und die Einquartierung verweigert. Die Soldaten rächten sich mit tagelangen Plünderungen, Barandschatzungen und Vergewaltigungen.

Am  31.März  erschien dann Mansfeld persönlich mit seinem ganzen Heer.

Zerbst wurde die Basis für den Versuch des von Mansfeld, mit seinen Truppen den Elbeübergang bei Roßlau zu erobern. Den hatte sich sein Gegenspieler, der kaiserliche Feldherr Wallenstein, gesichert und die zunächst kleine Schanze vor der Brücke festungsartig ausgebaut. Am 25. April 1626, also genau vor 400 Jahren, kam es zu einer der größten Schlachten des Krieges. Zwei riesige Heere stießen aufeinander. 

Die Truppen Mansfelds verloren die Schlacht und zogen sich nach Zerbst zurück. Wenig später zog das Heer von Wallenstein in die Stadt ein. Jetzt wütete Wallenstein in Zerbst. Die traurige Bilanz waren 700 Kranke und Verwundete, ein Plünderungsschaden von ca 21000 Talern in der ersten Nacht, später Seuchen und ca. 2500 Tote, eine Strafe von weiteren 20000 Talern usw. Es ist unverständlich, wie in einigen Publikationen der Einzug Wallensteins immer noch als Befreiungstat gefeiert wird. In den Jahren ab 1626 wird die Stadt mehrfach besetzt oder von den durchziehenden Truppen, unabhängig der Konfession, geplündert, gebrandschatzt und mit hohen Kontributionen belegt. Die einst so blühende und reiche Stadt erlebt ihren wirtschaftlichen Niedergang: Inflation, Münzverschlechterung, Entvölkerung und wüst liegende Häuser sind die Folge. Wallensteins Soldaten erkranken an der Pest und infizieren den Großteil der Zerbster Bürger. Am Ende des Krieges ist die Bevölkerung durch Krankheiten und Seuchen um fast zwei Drittel dezimiert.

Dieses Schicksal teilt auch die Klosterhofgemeinde. Das heutige Gästehaus ist (wahrscheinlich) auch in diesen Wirren untergegangen. Das Haus war dann irgendwann unbewohnt. Das (wahrscheinlich) strohgedeckte Dach und die (wahrscheinlich) aus Stampflehm oder Lehmstakung bestehenden Seitenwände stürzten infolge der fehlenden Wartung ein. Der mächtige Schornstein und die Giebelwände aus Feld- und Ziegelsteinen im Klosterformat könnten diese Zeit des Verfalls so leidlich überstanden haben.

Langsam, nur sehr langsam erholte sich die Stadt. Es dauerte mehrere Jahrzehnte, bis die Bevölkerung wieder zunahm und die Wirtschaft sich entwickelte. In diesen Prozess eingebettet wurde auch unser Gästehaus (wahrscheinlich) wieder aufgebaut.

Im Jahre 1669 wurden die Kiefernstämme geschlagen, die   dann (Wahrscheinlich 1670 nach barocker Bauordnung) als mächtige  Deckenbalken zwischen Erd- und Dachgeschoss und im Giebelfachwerk eingebaut wurden. Dies beweisen zwei dendrochronologische Untersuchungen. Eine dieser Urkunden können Sie rechts im Bild sehen.

 

Geschichte von Zerbst in Bildern und Filmen

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Entwicklung bis zur Neuzeit

Mit Ausgang des 17. und im 18. Jahrhundert entwickelte sich Zerbst zur blühenden Residenzstadt.  

Im Jahre 1728 ließ Fürst Johann August von Anhalt Zerbst in und bei den alten Kirchenruinen ein Zucht-, Waisen- und (Zwangs-) Arbeitshaus errichten. Als Zuchthaus wurde die alte Klosterkirche ausgebaut. Als Waisen- und (Zwangs-)Arbeitshaus wurde ein neues Gebäude angebaut.

1740 ließ derselbe Fürst die marode Stadtmauer im Bereich des kleinen Klosterhofes instand setzen. Der neue Durchbruch für Fußgänger und eine Brücke über die angrenzende Nuthe entstand allerdings erst 1912. Dieser Durchbruch erhielt schnell den Namen Marienpforte. Offiziell als Dank der Zerbster an Ihren Fürsten (oder vielleicht auch zur Selbstdarstellung des Adligen - Auch heute "müssen" Tafeln angebracht werden, wenn das Land, der Bund oder die EU  ein bestimmtes Projekt in der Kommune fördert.) wurde eine Erinnerungstafel an diese Unterstützung angebracht. Die Tafel jedenfalls hat nichts mit der später entstandenen Marienpforte zu tun. Noch heute gehört der Bereich um die Marienpforte zu den sehr idyllischen Orten in Zerbst. Dies sehen Sie in der unten liegenden Fotogalerie.

1801erfolgte die Einrichtung als Zucht- und Zwangsarbeiterhaus für die gesamten Anhalt-Dessauischen Lande.

1813 diente das Waisenhaus vorübergehend als Lazarett für die verwundeten Freiheitskämpfer gegen die napoleonische Fremdherrschaft.

1865 wurde das Zuchthaus nach Coswig verlegt.

Im Jahre 1874 kaufte die Stadt das Gebäude des verlassenen Zuchthauses und baute es bis 1879 als Kaserne aus.                             1897 wurde diese Kaserne hinter dem Frauentorturm nach Osten hin erweitert. Auch dieser rote Backsteinbau ist heute erhalten und gut sichtbar. Als Kaserne dienten die Gebäude Teilen des II. Bataillons des Anhaltischen Infanterieregiments Nr. 93 bis zur Errichtung der neuen Kaserne 1907 außerhalb des Heidetores (heute Wohngebiet Wilhelminische Kasernen, Volkshochschule,  Sonderschule, Gewerbegebiet, Turnhalle und Sportplatz ).

Seitdem waren in den vom Militär verlassenen Gebäuden nacheinander oder parallel untergebracht: Ein Jugendheim, die Kinderkrippe der Bartholomäus- und der Stadtgemeinde, eine Malerschule, die Volksbücherei, der Wandervogel, eine Diakonissenanstalt, ein Museum zum 1. Weltkrieg und anderes.

In den Bildern links sehen Sie  den Anbau von 1728 (mit Millionenaufwand zwischen 2019 -Vorstellung erster konkreter Pläne-  und 2026 -wahrscheinlicher Abschluss- restauriert, modernisiert und in seiner Nutzung neu ausgerichtet). Das unschöne graue Tor davor ist ein nachträglich für die Kaserne errichteter Eingang. Der Legende nach soll dieser rückwärtige Eingang für die am Abend trunken zurückkehrenden Soldaten gebaut worden sein, damit diese vor dem Haupteingang nicht so auffällig waren.     Auch dieses Tor wurde um 2020 instandgesetzt und so wahrscheinlich vor dem Verfall und dem Abriss bewahrt. Leider wurde die früher weiße Pflasterung in Straßenmitte im Zuge des grundhaften  Straßensanierung nicht wieder verlegt. Diese Pflasterung soll den Soldaten den Weg aus dem Gasthaus zum Kasernentor gewiesen haben.

Im ehemaligen Zucht- Zwangs- und Arbeitshaus wurden nach 1918 Notunterkünfte für die ärmsten Bevölkerungsschichten eingerichtet. Nach 1933 wurden diese zu normalen Wohnungen ausgebaut.

Das neuere Kasernengebäude wurde von 1918 bis 1933 als gewerbliche Fortbildungsschule genutzt.                                                           Ab 1933 wurde auf dem Kasernenhof wieder marschiert. Der NS Arbeitsdienst zog ein.                                                                                               Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Gebäude erneut als Berufsschule genutzt.

Die Gebäude auf den Klosterhöfen überstanden die Bombardierung vom April 1945 leidlich, wurden repariert und wieder aufgebaut. Allerdings blieben oft nachhaltige Modernisierungen der kleinen und niedrigen Häuser aus. Etliche Häuser wurden verlassen. In den 70 er und 80 er Jahren  wurde der Verfall ganzer Straßenzüge offensichtlich.

Über die Bewohner der Klosterhöfe nach dem Krieg ist nicht allzuviel bekannt. Nach wie vor wohnten einfache und fleißige Menschen in den Häusern. Diese waren oft auch im Eigentum der Bewohner. Im Gästehaus soll zuletzt ein Petroleumverkäufer mit seiner Familie gewohnt haben. Zehn Kinder sollen im Haus zur Welt gekommen sein. Mit seinem Pferdekarren soll er durch Zerbst gezogen sein, um Petroleum zu verkaufen. Das Pferd wurde täglich durch den Hausflur vom Stall auf dem Hof auf die Straße geführt. Ich selbst habe als Kind im Vorschulalter und vielleicht auch noch in den ersten Schulklassen (also bis  ca  1965) mit Sehnsucht auf die roten Petroleumlaternen bei Absperrungen geschaut mit dem Wunsch doch eine solche Lampe für sich selbst zu "organisieren" auf die Frage, woher man aber das Petroleum bekomme wussten die damaligen "Kumpel" dass im Großen Klosterhof Petroleum verkauft wird. Nach dieser Zeit stand das Haus lange leer und verfiel mehr und mehr.

Die Wohnhäuser im Kleinen Klosterhof Nr. 18 und 20 wurden zuletzt zweckentfremdet als Altstoffannahmestelle genutzt. Ich selbst habe dort als Kind und Jugendlicher möglicherweise bis ca 1970 Flaschen, Gläser und Altpapier abgegeben, um mein Taschengeld aufzubessern. Schon damals habe ich mich über die geringen Raumhöhen gewundert. Danach begann der Leerstand. 

Das Haus Nr. 20 ist dabei das wahrscheinlich älteste in der Nähe der Marienpforte. Bereits auf dem Kupferstich von 1728 ist dieses Haus enthalten. Die anderen hier genannten sind wahrscheinlich erst Anfang und Mitte des 19. Jahrhundert erbaut worden. Das Haus Nr. 21 wurde erst um 1880 im Stile der Gründerzeit erbaut.

Im Kleinen Klosterhof Nr. 21 wohnte zuletzt eine alte Frau in einem Zimmer im Erdgeschoss. Im Dachgeschoss mit zwei kleinen Zimmern wohnte eine junge Erzieherin. Die Küche und die Toilette im Erdgeschoss teilten sich beide Mietparteien. Immerhin gab es hier schon eine Innentoilette. Nach dem Ableben der alten Dame konnten sich die Erben lange nicht über die weitere Nutzung bzw. den Verkauf einigen. Das Haus blieb leer und der Zahn der Zeit setzte der Bausubstanz zu. Jetzt ist es saniert und neu bewohnt. Interessant ist, dass dieses Haus geradezu mit der Stadtmauer zu verschmelzen scheint.

Das Haus im Kleinen Klosterhof Nr. 22 gehörte zuletzt ebenfalls einer alleinstehenden Dame. Diese zog nach der Wende in der 90 er Jahren gen Westen und geriet dort sehr bald unter amtliche Betreuung. Das Haus wurde etwa um die Jahrtausendwende an mich verkauft und wartet leider immer noch auf seine Wiederbelebung.

Das Haus im Kleinen Klosterhof Nr. 24 gehörte zum Ende der DDR einer Familie in mittleren Jahren und wurde nach 1990 in Teilen saniert. Es war eines der am besten erhaltenen Häuser. Wegen Krankheit und Tod geriet es später leider  in eine Zwangsvollstreckung, Damit gelangte es aber wieder in sichere Hände, wurde in mehreren Schritten weiter modernisiert und wird heute weiter zu Wohnzwecken genutzt.

Vom 08.12.1992 bis 31.12.2021  waren die Klosterhöfe Teil des offiziell ausgeschriebenen innerstädtischen Sanierungsgebietes. Seitdem sind einige Gebäude gerettet worden. Oft regierte jedoch Abriss und nur manchmal Neubau. So ist beispielsweise die Mittelbebauung im Großen Klosterhof vollständig abgerissen. Die letzten beiden Häuser fielen kurze Zeit nach Auszug der letzten Eigentümer erst 2025 den Abrissbaggern zum Opfer.

Die Straßen im Kleinen und im Großen Klosterhof waren noch lange in einem absolut desolatem Zustand. Obwohl von den Stadträten wie auch von der Stadtverwaltung immer wieder die hohe Priorität der Straßenreparatur eingeräumt und Besserung versprochen wurde, gelang es nicht, diese Arbeiten innerhalb der Zeit des "Sanierungsgebietes" zu erledigen.  Als 2018 voll beladene schwere Transportfahrzeuge für mehrere Hausneubauten am naheliegenden Gartenweg fast wöchentlich den Kleinen Klosterhof durchfuhren, verschlechterte sich die Situation noch einmal rapide. 

Vom zeitigen Frühjahr bis zum zum späten Herbst 2021 dauerte die Straßensanierung im Kleinen Klosterhof. Die Straße wurde bis in die Tiefe der Abwasserrohre aufgerissen und war lange unpassierbar. Das gleiche wiederholte sich 2024 im Großen Klosterhof.

Einen vorläufigen Abschluss groß angelegter Baumaßnahmen bildet die Sanierung der hofseitigen Fassade des alten Kasernenflügels und des Innenhofes. Diese Arbeiten dauern 2026 noch an. Für mich 

Insgesamt werden wohl mehr als 6 Millionen Euro aus unterschiedlichen Quellen in die Sanierung und Modernisierung der Gebäude und der Außenflächen um die alte Klosterkirche und den Kasernenanbauten von 1728 und 1897 geflossen sein und noch fließen. (wird weiter überarbeitet und mit Bildern ergänzt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unsere Entwicklung

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